Weltliteratur mit Playmobil-Figuren, leicht verständliche Wissenschaft auf YouTube, eine digitale Reise zurück in der Zeit: Herausragende Netz-Angebote mit Sinn für schlaue Unterhaltung sind mit dem Grimme Online Award in Köln ausgezeichnet worden
Zu den Preisträgern gehörte zum Beispiel der YouTube-Kanal "maiLab" der Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim, die sich spielerisch mit Wissenschaftsthemen beschäftigt
Ebenfalls prämiert wurde "Sommers Weltliteratur to go". Auf dem YouTube-Kanal werden Klassiker der Literaturgeschichte mit Playmobil-Figuren nachgespielt
"Das hätte auch mir in der Schule geholfen", sagte der Schauspieler Wotan Wilke Möhring bei seiner Laudatio
28 Nominierte - 8 Preise Laut der Jury des Awards, der als wichtigster deutscher Preis für hochwertige Online-Angebote gilt, befinde sich die Branche allerdings "aktuell in einer Phase der Konsolidierung"
"Die Zeit der Experimente scheint vorbei, Standards in Aufbereitung und im Storytelling für digitale Formate haben sich etabliert", hieß es in einem Statement
Für die kommenden Jahre wünsche man sich wieder mehr Anlass, interaktive und mit den crossmedialen Möglichkeiten des Webs spielende Angebote auszeichnen zu können
Die Kritik galt aber nicht den 28 Nominierten des Abends, die zu den herausragenden Angeboten zählen
Auch wenn es etwas überraschend in diesem Jahr keinen Gewinner in der Kategorie "Information" gab
Die Jury konnte bis zu acht Preise vergeben und tat das auch - sie musste sie aber nicht zwangsläufig auf alle Kategorien verteilen
Die meisten Gewinner gab es bei "Kultur und Unterhaltung". Unter den Gewinnern war mit "Mädelsabende" vom WDR ein hintergründiger Account auf der Plattform Instagram
Mit "RiffReporter" gewann ein Angebot, das für neue Geschäftsmodelle im Netz steht - es ist als Genossenschaft organisiert
In der Kategorie "Spezial" wurde der Inklusionsaktivist Raul Krauthausen gewürdigt
Der undotierte Grimme Online Award wird seit 2001 verliehen. Die diesjährigen Gewinner im Überblick: "maiLab": Auf ihrem YouTube-Kanal erklärt die promovierte Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim verständlich wissenschaftliche Zusammenhänge
Oft geht es um Alltagsfragen, etwa ob Smoothies wirklich gesünder sind als Cola. Das Format gehört zum jungen ARD/ZDF-Netzwerk Funk
Es gewann neben einem Jurypreis auch die Publikumsabstimmung. "RiffReporter": Das Besondere an "RiffReporter" ist vor allem das Geschäftsmodell - es handelt sich um eine Genossenschaft
Freie Journalisten können sich auf der Plattform eine Community für ihre Themen aufbauen
Leser können gezielt Lieblingsautoren unterstützen. "Bewegte Jahre. Auf den Spuren der Visionäre": Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg inszeniert mit dem Web-Journal kreativ seine Jugendstil-Sammlung
Man begleitet einen fiktiven Reporter auf seiner Reise durch das Europa um das Jahr 1900
"Ein deutsches Dorf": Der 37. Abschlussjahrgang der Henri-Nannen-Schule dokumentiert multimedial das Leben in einem Dorf im Emsland mit all seinen Facetten
Für das Projekt quartierten sich die Jungjournalisten zwei Wochen lang nahe dem Ort Werpeloh ein
"Mädelsabende": Der Instagram-Account des WDR will seine Follower zum Diskutieren anregen - mit Erfolg
Die Jury würdigte den Kanal, der für feministische Themen sensibilisiert, als herausragend in der "sonst recht oberflächlichen Instagram-Traumwelt"
DPA Laudatorin Idil Baydar (2. v.l) und die Redaktion von "Mädelsabende" "Sommers Weltliteratur to go": Wer vor der Abi-Prüfung noch mal schnell das Wichtigste zu "Faust" in den Kopf kriegen muss, sollte auf dem YouTube-Kanal des Dramaturgen Michael Sommer vorbeischauen
Er erzählt das Meisterwerk - wie auch andere Literaturklassiker - sagenhaft schnell und unterhaltsam
Mit Playmobil-Figuren. "Deutschland spricht": Bei dem aufwendigen Projekt von "Zeit Online" wurden vor der Bundestagswahl Menschen mit extrem gegensätzlichen Meinungen zu einem Diskurs zusammengebracht
Urteil der Jury: "Ein Journalismus, der so der Polarisierung entgegenwirkt und den gegenseitigen Respekt politischer Gegner voranbringt
" Raul Krauthausen: Der Aktivist Raul Krauthausen kämpft crossmedial für Inklusion
Er habe es geschafft, das Thema Behinderung auch Menschen näher zu bringen, die normalerweise nicht täglich damit in Kontakt kommen, erklärte die Jury
Er erhielt den Preis für seine persönliche Leistung.
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